Die weitere Teilnahme des Vereinigten Königreichs an Erasmus+ und Horizont 2020 hängt vom Ausgang der Austrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich ab.

Am 10.04. haben sich die EU-Staats- und Regierungschefs darauf geeinigt, dass das Vereinigte Königreich bis zum 31. Oktober Zeit bekommt, die Weichen für einen geordneten Austritt aus der EU zu stellen oder seine Meinung zum Brexit grundsätzlich zu überdenken. Dabei ist ein Austritt auch vor Ende Oktober möglich.

Für den aktuellen Verhandlungsstand: Zur Webseite des Europäischen Rates

Solange Großbritannien Mitglied der Europäischen Union ist, können Einrichtungen aus dem Vereinigten Königreich in vollem Umfang an allen EU-Programmen teilnehmen. Die Aufrufe für Erasmus+ und Horizont 2020 weisen jedoch darauf hin, dass sich der Status britischer Einrichtungen auch in laufenden Projekten mit dem Austritt Großbritanniens aus der Union ändern kann.

Für eine Teilnahme britischer Einrichtungen an Erasmus + und Horizont 2020 nach dem Austritt ihres Landes, bestehen zwei Szenarien:

Austritt mit (bisherigem) Abkommen

Falls das britische Unterhaus dem Abkommen in seiner derzeitig vorliegenden Form zustimmt, wird es eine Übergangsphase bis Ende 2020 geben, während der Einrichtungen aus dem Vereinigten Königreich in vollem Umfang an den EU-Programmen teilnehmen können, so auch an Erasmus+ und Horizont 2020. Dies gilt auch für Projekte, die unter den laufenden Programmen bewilligt wurden, aber über das Jahr 2020 hinauslaufen. Die Teilnahme- und Förderfähigkeit von britischen Partnern in Horizont 2020 und Erasmus+ Programme bleibt somit bestehen.

„No Deal-Brexit“

Falls das britische Unterhaus dem Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigtem Königreich nicht zustimmt, wird der Brexit ohne Deal vollzogen.

Für Erasmus+ treten in diesem Fall die Notfallregelungen der EU in Kraft (siehe Beitrag vom 30.01.19). Das Europäische Parlament und der Rat der EU hatten diese im März angenommen. Sie beinhalten, dass Erasmus+-Stipendiaten aus der EU und dem Vereinigten Königreich auch bei einem „No Deal“-Austritt des Vereinigten Königreichs ihren jeweiligen Mobilitätsaufenthalt fortsetzen können und auch ihre Erasmus+-Förderung weiter erhalten. Erasmus-Aufenthalte im Vereinigten Königreich müssen hierbei spätestens an dem letzten Tag der EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs physisch begonnen werden, um förderfähig zu sein. Für Horizont 2020 wurde keine spezielle Notfallregelung verabschiedet.

Des Weiteren wurde für den EU-Haushalt 2019 eine Verordnung erlassen: Zuwendungsempfänger aus Großbritannien können ihre Zuwendung während des gesamten laufenden Jahres 2019 für Verträge und Förderentscheidungen aus EU-Programmen erhalten. Voraussetzung hierfür ist allerdings - im Gegensatz zur Sonderregelung zur Erasmus-Mobilität -, dass Großbritannien seinen finanziellen Verpflichtungen für das Haushaltsjahr 2019 nachkommt, die erforderlichen Kontrollen akzeptiert und sich gegenüber der Kommission schriftlich dazu verpflichtet. Diese Regelung würde für Erasmus+ Kooperationsprojekte, Mobilitäten, die nach dem Austritt beginnen (aber in 2019 abgeschlossen werden), sowie Projekte unter dem Horizont 2020 Programm greifen.

Sollte die EU-Finanzierung entfallen, hatte die britische Regierung ihrerseits Finanzierungsgarantien für britische Teilnehmer in beiden Programmen abgegeben, die aber im Einzelnen noch mit der Kommission verhandelt werden müssten. Gleiches gilt für eine weitere Beteiligung des Vereinigten Königreichs als Drittland bis zum Ende der Laufzeit von Erasmus+ und Horizont 2020. Auch hier hatte London die Übernahme der Kosten für britische Programmteilnehmer zugesagt.

Zur Webseite der britischen Regierung

Erasmus und Horizont Europa ab 2021

Für die neue Programmgeneration Erasmus und Horizont Europa 2021-2027 besteht für Großbritannien die Möglichkeit, mit der Europäischen Union eine Assoziierung an die Programme zu verhandeln. Auf Grundlage eines entsprechenden finanziellen Beitrages, würde dieser Status die weitere Beteiligung britischer Einrichtungen an den Programmen ermöglichen. Nicht-EU-Mitglieder, wie z.B. Norwegen nehmen z.B. aktuell an Erasmus+ und Horizont 2020 teil. Die Verhandlungen über eine mögliche Assoziierung Großbritanniens an die zukünftigen EU-Programmen hat jedoch noch nicht begonnen.

Weitere Informationen

  • Die Europäischen Kommission hat ein Factsheet zu „Studierende in GB im Fall eines No-Deals“ und Informationen auf ihrer Erasmus+ Website veröffentlicht.
  • Die Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD (NA DAAD) hält Sie mit aktuellen Informationen zu den Brexit-Auswirkungen auf die Erasmus+ Teilnahme auf dem Laufenden: zur Website.
  • Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat FAQs zu Bildung und Forschung im Falle eines No-Deal-Brexit, den Stand zum Programm Horizont 2020 sowie eine Pressemitteilung zum Brexit veröffentlicht.
  • Die britische Regierung hat eine eigene Website zum Brexit.