Gemeinsam mit der Vision für einen Europäischen Bildungsraum 2025 hat die Europäische Kommission am 30. September 2020 eine Mitteilung zur weiteren Ausgestaltung des bisherigen Aktionsplans für digitale Bildung (2018-2020) in einer neuen Laufzeit von 2021 bis 2027 veröffentlicht.

Der digitale Wandel ist eine der Prioritäten der Europäischen Kommission, die sie in ihrer Leitinitiative Ein Europa für das digitale Zeitalter zum Ausdruck gebracht hat. Im aktualisierten Aktionsplan greift die Kommission die aus der Pandemie gewonnenen Erkenntnisse auf und entwirft eine Langzeitvision für den digitalen Wandel in der allgemeinen und beruflichen Bildung in der EU.

Die zwei strategischen Prioritäten des Plans sind:

  1. die Verwendung digitaler Technologien im Bildungssektor
    („A high-performing digital education ecosystem“)
  2. die Ausbildung der dafür benötigten Kompetenzen
    („Digital skills and competences for the digital age“)

Ziele dieser langfristig angelegten Prioritäten sind u.a. die Verbesserung der digitalen Infrastruktur im Bildungsbereich, eine höhere Qualität der Lernressourcen beim Online-Lernen, eine Steigerung der Effizienz der Lernprozesse sowie die bessere Nachweisbarkeit von Lernergebnissen. Zur Umsetzung dieser Ziele werden vierzehn konkrete Aktivitäten bzw. Initiativen benannt. Die vierzehnte Initiative schlägt die Entwicklung eines „European Digital Education Hub“ vor. Dieser soll einen EU-weiten Austausch in der digitalen Bildungskooperationen ermöglichen, nationale Behörden vernetzen, Ergebnisse EU finanzierter Projekte verbreiten, den Austausch digitaler Lerninhalte ermöglichen und entsprechende Politiken zur Förderung der digitalen Bildung entwickeln. Dieser Hub wird auch auf den Ergebnissen des unter dem Erasmus+ geförderten Projekt OpenU aufbauen, bei dem der DAAD Projektpartner ist.

Weitere konkrete, für den Hochschulbereich relevante Vorhaben

  • Aktualisierung des Europäischen Rahmens für digitale Bildungsinhalte
  • eine Machbarkeitsstudie zu einer möglichen, europäischen Austauschplattform (zur gemeinsamen Nutzung zertifizierter Online-Ressourcen - z.B. MOOCs - und zur Verknüpfung mit bestehenden Bildungsplattformen)
  • Empfehlungsvorschläge für den Rat der EU-Bildungsminister
    • über die Faktoren, die eine erfolgreiche digitale Bildung bis 2022 ermöglichen
    • über eine verbesserte Bereitstellung digitaler Fertigkeiten (darunter der Einsatz von EU-Instrumenten zur Investition in die berufliche Entwicklung von Lehrkräften und die Zusammenarbeit mit der Industrie zur Ermittlung und Aktualisierung des Qualifikationsbedarfs)
  • Entwicklung eines Europäischen Zertifikats für digitale Kompetenzen
  • Unterstützung von Plänen zur digitalen Transformation auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung durch Erasmus+ Kooperationsprojekte
  • Unterstützung der digitalen Pädagogik und Expertise in der Nutzung digitaler Werkzeuge für Lehrer durch Erasmus+ Lehrerakademien
  • Ethische Leitlinien für das Lehren und Lernen zu Künstlicher Intelligenz
  • Steigerung der Anzahl von IT-Fachkräften/Experten sowie des Frauenanteils in IT-Studiengängen und -berufen
  • Förderung einer stärkeren Beteiligung an der Internationalen Studie zur Computer- und Informationskompetenz (ICILS), die länderübergreifend Daten zu den digitalen Fertigkeiten von Lernenden sammelt

Finanzierung

Grundsätzlich sollen alle Leitaktionen des künftigen Erasmus+ Programms die Umsetzung des erneuerten DEAP gezielter unterstützen. Zur Finanzierung der geplanten Maßnahmen werden darüber hinaus auch Mittel aus weiteren Förderprogrammen wie Digitales Europa, der Fazilität „Connecting Europe“, InvestEU, den Kohäsionsfonds sowie aus Horizont Europa eingesetzt. Eine Finanzierung ist auch durch die neue Aufbau- und Resilienzfazilität unter dem EU-Wiederaufbauplan "Next Generation EU" möglich.

Im Vorfeld der Veröffentlichung des neuen Aktionsplans hatte die Europäische Kommission eine Umfrage mit besonderem Bezug zu der aktuellen Covid-19 Lage durchgeführt.

Ergebnisse der Konsultation

  • Fast 60% der Befragten hatten vor der Krise weder Fern- noch Online-Learning genutzt.
  • 95% sind der Meinung, dass die COVID-19-Krise einen "point of no return" für die Art und Weise markiert, wie Technologie in der allgemeinen und beruflichen Bildung eingesetzt wird.
  • Die Befragten fordern, dass Online-Lernressourcen und -Inhalte relevanter, interaktiver und benutzerfreundlicher gestaltet werden müssen.
  • Über 60 % waren der Meinung, dass sie während der Krise ihre digitalen Fähigkeiten verbessert haben, und mehr als 50 % der Befragten wollen dies weiter tun.

Neben 2700 eingegangenen Antworten und 130 schriftlichen Beiträgen hat auch der DAAD seine Vorschläge im Rahmen der Konsultation eingebracht. Er fordert für den Bereich der Hochschulbildung einen Fokus auf Mobilität und Inklusion, virtuellen Austauschformaten, digitalen Kapazitäten und die Interoperabilität von Systemen und Daten. Das vollständige Positionspapier (auf Englisch) können Sie hier einsehen: Download: DAAD-Positionspapier zum DEAP (pdf, 190,65 KB)

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft will beim nächsten EU-Bildungsrat am 30. November Schlussfolgerungen zur digitalen Bildung in der Wissensgesellschaft verabschieden.

Der Aktionsplan soll zudem auch in den 3. Europäischen Bildungsgipfel einfließen, den die Kommission am 10. Dezember online ausrichtet. Ministerinnen und Minister sowie Schlüsselakteure sollen dort darüber diskutieren, wie die allgemeine und die berufliche Bildung für das digitale Zeitalter gerüstet werden können.