Die Europäische Kommission hat am 30. September ihre Vision für die Schaffung eines Europäischen Bildungsraum bis 2025 vorgestellt und hierzu konkrete Maßnahmen angekündigt. Bildung wird in dieser Mitteilung ein zentraler Stellenwert für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Europäischen Union eingeräumt.

Die Kommission will den Europäischen Bildungsraum anhand von sechs Dimensionen weiterentwickeln:

Qualität

Neben einer verbesserten Vermittlung von Grundkenntnissen und transversalen Fähigkeiten wird Mobilität und grenzüberschreitende Kooperation als Motor für die Verbesserung der Qualität der Bildung herausgestellt. Bestehende Hindernisse hierfür müssen abgebaut werden. Gleichzeitig wird angemahnt, dass Mobilität zukünftig nachhaltiger gestaltet und in der Lage sein muss, digitale Herausforderungen anzugehen.

Inklusion und Gleichstellung der Geschlechter

Im zukünftigen Erasmus+ Programm wird Inklusion, Gleichstellung und Diversität eine herausgehobene Rolle spielen, so z.B. durch neue, flexiblere Mobilitätsformate und Unterstützungsmaßnahmen. Einer zunehmend diversen Studierendenlandschaft und der Nachfrage zum lebenslangen Lernen soll durch neue Lehrformate, wie micro-credentials begegnet werden. Hierzu plant die Kommission in 2021 einen Vorschlag für Ratsempfehlungen. In der Hochschulbildung wird insbesondere das Ziel der Erhöhung der Anzahl von Frauen in Führungspositionen verfolgt.

Grüne und digitale Transformation

Die Transition zu einer umweltgerechten, nachhaltigen und klimaneutralen Wirtschaft in Europa, kann nur mit Hilfe der Entwicklung notwendiger Kompetenzen und einer Bewusstseinsbildung durch Bildung gelingen. Die Kommission wird Ende des Jahres 2020 eine Koalition „Bildung für Klima“ ins Leben rufen, mit Hilfe dessen innovative Projekte gefördert und die Bewusstseinsbildung in Bildungsinstitutionen gestärkt werden soll. Im Jahr 2021 wird die Kommission Ratsempfehlungen zur Nachhaltigkeit in der Bildung vorlegen und einen Europäischen Kompetenzrahmen für entsprechende Fähigkeiten/Kompetenzen im Umweltbereich entwickeln. Der Aktionsplan für Digitale Bildung detailliert die Maßnahmen zur Vorbereitung auf die digitale Transformation (mehr). Das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ wird zukünftig digitaler und grüner. Virtuelle Mobilität soll die physische Mobilität ergänzen, Umwelt und Digitales werden prioritär in den Kooperationsprojekten behandelt und eine nachhaltige Umsetzung der Projekte, sowie klimafreundliche, physische Mobilität gefördert.

Lehrkräfte

Lehrkräfte stehen im Zentrum eines zukunftsfähigen Bildungssystems. Der Beruf soll aufgewertet werden. Hierbei führt die Kommission auch die Notwendigkeit auf, Mobilität als integralen Bestandteil der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte zu verankern. Im Rahmen des neuen Erasmus+ Programms plant die Kommission ab 2021 die Entwicklung von 25Erasmus Lehrer Akademien“, die Bildungsinstitutionen für Lehrkräfte und ihre Verbände zwecks Austausches guter Praktiken für die Aus- und Weiterbildung vernetzen sollen.

Hochschulbildung

Hochschulen werden als zentrale Akteure im  Wissensviereck bezeichnet: Bildung, Forschung, Innovation und Gesellschaft. Im Zentrum steht, einen politischen Rahmen zu entwickeln, der ungehinderte Mobilität und grenzüberschreitende, enge Kooperation zwischen Hochschulen (wie in der Initiative der Europäischen Hochschulen) erlaubt, sowie die Inklusion, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Lehrformate wie micro-credentials fördert. Die Kommission arbeitet derzeit an einer Transformationsagenda für die Hochschulen, die sie im Jahr 2021 vorlegen wird. Hierzu wird noch in diesem Jahr eine öffentliche Konsultation veröffentlicht. Weitere Maßnahmen sind die Förderung der Entwicklung von Hochschulcurricula im Bereich Technik und ICT, die Entwicklung eines „Europäischen Abschlusses (European degree)“ und eines Qualitätssicherungssystems für neue modulare Studienprogramme und Abschlüsse, sowie einer Machbarkeitsstudie zu einem Europäischen Statut für Allianzen von Hochschulen in Europa, wie den Europäische Hochschulen. Mobilität soll durch den Europäischen Studierendenausweis, die Erasmus+ App und eine Weiterentwicklung der automatischen gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen weiterentwickelt werden.  

Geopolitische Dimension

Bildung wird in diesem Dokument als wichtiges Instrument europäischer, auswärtiger Politik anerkannt, das Menschen verbindet und ein positives Bild Europas in der Welt fördert. Prioritäre Regionen für die EU sind Afrika, der Westliche Balkan und die Nachbarschaftsregion der EU. Die Staaten des Westlichen Balkans sollen bis spätestens 2025 an den Europäischen Bildungsraum und das Erasmus+ Programm assoziiert werden. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit strategischen Partnern wie den USA, China und Japan ausgebaut werden. Das neue Erasmus+ Programm wird eine gestärkte internationale Dimension vorweisen, die auch den digitalen Austausch mit internationalen Partnern und die Arbeit mit Alumni in Partnerländern einschließt.

Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten will die Europäische Kommission zur Erreichung des Europäischen Bildungsraums neue Ziele für 2030 formulieren. Für die Hochschulbildung wird vorgeschlagen, den Anteil der 30-34-jährigen mit einem Hochschulabschluss auf mindestens 50% zu erhöhen.