Am 18. Mai 2021 hat die Europäische Kommission eine Mitteilung über einen neuen Ansatz für globale Forschungs- und Innovationskooperationen veröffentlicht. Dieser soll die bisherige EU-Strategie zur internationalen Zusammenarbeit in Forschung und Innovation aus dem Jahr 2012 ablösen.

Die Strategie soll die führende Rolle der EU im Bereich Forschung und Innovation in der Welt stär­ken. Vor dem Hintergrund einer sich ständig verändernden geopolitischen Weltlage ent­wickelt der neue Ansatz das Konzept einer "offenen strategischen Autonomie": So sollen zu­künftig stärker abgestufte („modulierte“) Forschungskooperationen mit Nicht-EU-Staaten realisiert werden.

Die Strategie umfasst auch eine Reihe spezifischer Schlüsselmaßnahmen: So soll sich im Rahmen der Forschungspartnerschaften vermehrt auf Schlüsseltechnologien wie Künst­liche Intelligenz, Blockchain, Internet der Dinge, Big Data, Weltraumdaten, Anwendungen digitaler Technologien für den grünen Übergang, Gesundheit und Bildung konzentriert werden. Die Mitteilung verweist hier u. a. auf eine gemeinsame Task Force für künstliche Intelligenz mit Indien, auf EU-Unterstützung für den Breitbandausbau in den westlichen Balkanländern und den Ländern der östlichen Partnerschaft sowie auf Projekte zur digitalen Konnektivität mit den Ländern der Europäischen Nachbarschaft, Afrika, Lateinamerika, Indien und ASEAN. Im Einklang mit der Strategie "Auf dem Weg zu einer umfassenden Strategie mit Afrika” (Link) strebt die EU zudem eine verstärkte Zusammenarbeit mit Afrika an.

Im Rahmen von "Horizont Europa" soll in Form einer umfassenden "Afrika-Initiative“ die Zusammenarbeit in ausgewählten Themenbereichen gestärkt werden:

  • Öffentliche Gesundheit, einschließlich Resilienz und Pandemievorsorge
  • grüner Übergang
  • Innovation und Technologie zur Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Kapazitäten für Wissenschaft und Hochschulbildung, v. a. für Frauen und Jugendliche

Mit dem neuen Ansatz bekräftigt die EU ihr Bekenntnis zu internationaler Offenheit als einem wesentlichen Prinzip der internationalen Wissenschaftsbeziehungen. Sie will einen Rahmen für gleiche Wettbewerbsbedingungen zu Themen wie Forschungsintegrität, geistigem Eigentum und dem gegenseitigen Zugang zu Forschungs­förder­programmen schaffen. Dazu will die EU sich mit ausgewählten Partnern weltweit um ein gemeinsames Verständnis grundlegender forschungsrelevanter Prinzipien und Werte wie Wissenschaftsfreiheit oder Gleichstellung der Geschlechter bemühen – auf der Grundlage eines zukünftigen Europäischen Paktes für Forschung und Innovation (beabsichtigte Annahme durch die EU-Mitgliedstaaten noch dieses Jahr).

Voraussichtlich Ende 2021 wird die EU-Kommission zudem die Leitlinien für den Umgang mit ausländischer Einflussnahme auf Forschungsorganisationen und Hochschulen in Europa vorlegen, um die Kernprinzipien der akademischen Freiheit und der institutionellen Autonomie zu schützen.