Erfahrungsbericht ConSIMium 2026

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Ein Erfahrungsbericht zur ConSIMium Simulation in Brüssel 2026, verfasst von Louise Nordford und Sena Schneller.

Anfang Februar hatten wir die Gelegenheit, gemeinsam mit Studierenden aus allen EU-Mitgliedstaaten an der Simulation ConSIMium 2026 in Brüssel teilzunehmen. Während der zweitägigen Simulation durften wir in die Rolle von Regierung, Ministerien, Botschaften und der berichtenden Medien schlüpfen und den Prozess der Verabschiedung einer EU-Rechtsvorschrift im Rat der Europäischen Union durchspielen.

Die Vorbereitung auf die Simulation begann bereits einige Wochen zuvor. In mehreren Online-Treffen wurden wir rollenspezifisch gebrieft und auf die anstehenden Verhandlungen vorbereitet. Zwei Wochen vor Beginn erhielten wir den thematischen Schwerpunkt der Simulation. Es sollte um zwei Gesetzesvorschläge zu den Foreign Direct Investment (FDI) sowie dem Anti-Coercion Instrument (ACI) gehen. Die deutsche Delegation setzte sich aus einer nationalen Expertin und einem Experten, einem Botschafter, einer Regierungschefin, einer Ministerin sowie einer Journalistin zusammen. Zwar hatten wir uns bereits zuvor in einem kurzen digitalen Treffen kennengelernt, ein intensiverer Austausch fand jedoch am ersten Abend in Brüssel statt, als wir uns im DAAD Büro zusammenfanden. Beim gemeinsamen Pizzaessen mit Tanja Kreetz, unserer nationalen Koordinatorin, Lisa Reichert vom DAAD und Frank Ptrikovski von der ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU sowie Anna Spexard erhielten wir erste Einblicke in die Arbeit in Brüssel.

Im Rat der Europäischen Union kamen am nächsten Tag Studierende aus sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten zusammen. Jede Delegation vertrat dabei die ihr vorgegebenen nationalen Positionen und versuchte, diese möglichst konsequent zu verteidigen, ohne jedoch die notwendige Kompromissbereitschaft aus den Augen zu verlieren. Dies erwies sich teilweise als äußerst herausfordernd, da sich politische Prioritäten und rote Linien der einzelnen Mitgliedsstaaten stark unterschieden.

Die zweitägige Simulation bot einen vertieften Einblick in die Entscheidungsprozesse des Europäischen Rates und die Dynamiken diplomatischer Verhandlungen auf der EU-Ebene. Für jede Rolle gab es einen strukturierten Tagesablauf mit unterschiedlichen Programmpunkten. Dazu gehörten unter anderem Treffen im COREPER, Pressekonferenzen, Interviews und der Gang über den roten Teppich. Den zentralen Bestandteil bildeten jedoch die Ratssitzungen selbst, in denen die verschiedenen Positionen vorgestellt, diskutiert und ausgehandelt wurden, um mögliche Kompromisse zwischen den Mitgliedstaaten zu erarbeiten. Die Ratssitzungen wurden von Herman van Rompuy, dem ehemaligen Präsidenten des Europäischen Rates, und Elisa Ferreira, der Präsidentin der Europäischen Kommission, geleitet. Dadurch erhielt die Simulation einen besonders realitätsnahen Rahmen.

Die Simulation wurde durch ConSIMium X begleitet, ein eigens eingerichtetes Social-Media-Format. Über diese Plattform konnten Delegationen, Repräsentanten und Repräsentantinnen sowie Journalisten und Journalistinnen das aktuelle Geschehen verfolgen, kommentieren und ihre Positionen öffentlich kommunizieren. Die Simulation beleuchtete zentrale Facetten europäischer Entscheidungsprozesse. Besonders deutlich wurde, dass politische Entscheidungsfindung nicht nur in formellen Sitzungen, sondern zu einem großen Teil auch durch informelle Gespräche und persönliche Beziehungen zwischen den Akteuren und Akteurinnen geprägt ist. Gerade in diesen Momenten entstehen häufig Vertrauen und Spielräume, die später für Kompromisse von entscheidender Bedeutung sind.

Gleichzeitig zeigte sich, dass die Bereitschaft zum Dialog und zur Bildung von Koalitionen trotz unterschiedlicher nationaler Interessen eine grundlegende Voraussetzung für das Funktionieren und den Fortbestand der europäischen Zusammenarbeit darstellt. Besonders bereichernd und bewegend war die Erfahrung, gemeinsam mit jungen Menschen aus allen Mitgliedstaaten über europäische Politik zu diskutieren, sich auszutauschen und Verbundenheit zu erleben. Unser besonderer Dank gilt dem DAAD, der diese eindrucksvolle Erfahrung begleitet und ermöglicht hat.

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