Im September 2017 schlägt der französische Staatspräsident Emmanuel Macron im Rahmen seiner Sorbonne-Rede vor, bis 2024 mindestens 20 Europäische Universitäten zu gründen, „die ein Netzwerk von Universitäten aus mehreren Ländern Europas bilden und die einen Studienverlauf schaffen, in dem jeder Studierende auch im Ausland studieren kann, und die Orte pädagogischer Neuerung und exzellenter Forschung sind.“

Der politische Kontext

Macrons Initiative wird im November 2017 von der Europäischen Kommission in ihrer
Mitteilung "Stärkung der Europäischen Identität durch Bildung und Kultur" aufgegriffen und von den europäischen Staats- und Regierungschefs anlässlich des Europäischen Rates im Dezember 2017 bestätigt. Sie fordern die "Förderung der Herausbildung von etwa zwanzig 'Europäischen Hochschulen' bis 2024, bestehend aus nach dem Bottom-up-Prinzip errichteten Hochschulnetzwerken in der gesamten EU, die es Studierenden ermöglichen, durch eine Kombination von Studien in mehreren EU-Ländern einen Studienabschluss zu erwerben und somit zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hochschulen beitragen."

Was sind Europäische Hochschulen?

Der Begriff "Hochschulen" sollte im weitesten Sinne verstanden werden, einschließlich aller Arten von Hochschuleinrichtungen.

Die Europäischen Hochschulen haben ein ehrgeiziges Mandat, das darauf abzielt, eine beispiellose institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen den Hochschuleinrichtungen zu fördern und sie systemisch, strukturell und nachhaltig zu gestalten.

Durch die Europäischen Hochschulen sollen folgende Schlüsselelemente etabliert werden:

  • Eine gemeinsame, integrierte, langfristige gemeinsame Bildungsstrategie, die nach Möglichkeit Verbindungen zu Forschung und Innovation sowie zur Gesellschaft insgesamt aufweist.
  • Ein europäischer inter-universitärer Campus mit Curricula, in denen Studierende, DoktorandInnen und MitarbeiterInnen Mobilität auf allen Studienebenen erleben können.
  • Europäische wissensbildende Teams, die gemeinsam gesellschaftliche Herausforderungen in einem multidisziplinären Ansatz angehen.

Europäische Hochschulen in Erasmus+

Auf EU-Ebene ist das EU-Bildungs- und Austauschprogramm Erasmus+ das zentrale Programm für die Umsetzung der Initiative. Unter der Leitaktion 2 hat die Europäische Kommission im Oktober 2018 die Ausschreibung für den ersten Piloten zu dieser Maßnahme und im November 2019 für den zweiten Piloten veröffentlicht.

1. Pilotausschreibung - Zur Ausschreibung (EACEA)

Für den ersten Piloten sind 54 Bewerbungen eingegangen. Sie umfassen mehr als 300 Hochschulen aus 31 Ländern, einschließlich aller EU-Mitgliedstaaten. Zur Pressemitteilung
Es wurden 17 Netzwerke ausgewählt, die jeweils maximal 5 Mio. Euro für 3 Jahre erhalten.
Zur Auswertung der Auswahlergebnisse
Die Kommission veröffentlichte individuelle Factsheets zu den ausgewählten Netzwerken.

2. Pilotausschreibung - Zur Ausschreibung (SEDIA)

Von den insgesamt 62 eingegangenen Bewerbungen, wurden 24 Netzwerke ausgewählt, die jeweils maximal 5 Mio. Euro für 3 Jahre erhalten. Zur Auswertung der Auswahlergebnisse

Zulassungskriterien der Pilotausschreibung

  • Konsortialzusammensetzung: Minimum drei Hochschulen aus drei Erasmus+ Programmländern (im Besitz einer gültigen Erasmus-Hochschulcharta ECHE)
  • Möglichkeit der assoziierten Partnerschaft für öffentliche/private Organisationen aus den Erasmus+ Programmländern, die in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation oder in der Arbeitswelt tätig sind (assoziierte Partner erhalten keine Finanzierung über das Programm)
  • Ein Koordinator handelt im Auftrag des Konsortiums

Auswahlkriterien für Europäische Hochschulen

  • Relevanz des Vorschlags (u.a. langfristiges gemeinsames Leitbild; innovative und neue Strukturmodelle; Beitrag zur regionalen Entwicklung;  Förderung wissenschaftlicher Spitzenleistung)
  • Geographische Ausgewogenheit
  • Qualität des Vorschlags und der Durchführung (innovative pädagogische Modelle zur Entwicklung zukunftsweisender Fähigkeiten und Kompetenzen; Niveau der Mobilität von Studierenden, Mitarbeitern und Forschern; Stärkung des Wissensdreiecks; Förderung des gesellschaftlichen Engagements von Studierenden und Mitarbeitern sowie ihrer unternehmerischen Schlüsselkompetenzen; Einbeziehung der lokalen Gemeinschaft; Einbindung benachteiligter Gruppen)
  • Qualität der Kooperationsvereinbarung (gemeinsame Managementstrukturen; Unterstützung der Hochschulleitungen; Vielfalt der Hochschultypen; Mehrwert und Kosteneffizienz)
  • Nachhaltigkeit und Verbreitung

Informationen zum Auswahl- und Begutachtungsverfahren des ersten Piloten können Sie dem 2019 Guide for Experts der EACEA entnehmen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu der Initiative finden sich auf der Website der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission (DG EAC), sowie der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA).

Europäische Hochschulen in Horizont 2020

Das EU-Forschungsprogramm Horizont 2020 (ab 2021: Horizont Europa) stellt zusätzliche Finanzierung i.H.v. maximal 2 Mio. Euro pro Allianz für die Forschungsdimension der ausgewählten Allianzen der 1. und 2. Pilotausschreibung der Europäischen Hochschulen unter dem Kapitel "Science with and for society" bereit. Zum Beitrag Die ersten 17 Allianzen haben ihre Förderzusage über je 2 Mio. EUR am 22. Juli 2020 erhalten. Zur Mitteilung

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse der Pilotprojekte sollen in die Ausgestaltung einer umfassenden Förderlinie unter dem Erasmus+ Nachfolgeprogramm einfließen. Die erfolgreichen Netzwerke sollen sich nach einer positiven Evaluation in 2021 für eine weitere Förderung bewerben können. Die Programmvorschläge für Erasmus+ 2021-2027 (siehe Beitrag) und Horizont Europa, dem kommenden EU-Forschungsrahmenprogramm (siehe Beitrag), sehen die Möglichkeit vor, Unterstützung der 'Europäischen Hochschulen' zur Verfügung zu stellen und Synergien zwischen EU-Förderprogrammen zu schaffen.

Die Europäische Kommission stellt in der neuen Europäischen Kompetenzagenda dar, wie die Europäischen Hochschulen als langfristige, transnationale Allianzen zwischen den Hochschuleinrichtungen in ganz Europa aufgebaut werden und neue Standards für die Umgestaltung der Hochschuleinrichtungen im gesamten Europäischen Bildungsraum und im Europäischen Forschungsraum setzen sollen.

Nationales Begleitprogramm "Europäische Hochschulnetzwerke"

Auf deutscher Seite wird die Initiative der Europäischen Hochschulen durch ein nationales Ergänzungs-, Vorbereitungs- und Begleitprogramm für deutsche Hochschulen flankiert. Nach Bekanntgabe der Auswahlergebnisse der Europäischen Kommission im Sommer 2020 für die zweite Pilotausschreibung wurden die für die nationale Begleitinitiative antragsberechtigten Hochschulen – wie bereits im Rahmen der ersten Ausschreibungsrunde – direkt vom DAAD kontaktiert. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der DAAD-Zentrale:

Der DAAD

Der DAAD hat von Beginn an zu der Ausgestaltung der Idee der 'Europäischen Hochschulen' beigetragen.
Im April 2018 richtete die DAAD-Außenstelle Brüssel gemeinsam mit der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der EU und der deutschen Hochschulrektorenkonferenz einen europäischen Workshop zu dem Thema in Brüssel aus.
Zur Veranstaltungsseite

Die Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD informiert und berät deutsche Hochschulen zur Antragstellung im Rahmen des Erasmus-Programms.
Zur NA DAAD Webseite

Das Referat P13 – Forschung und Internationalisierung, Hochschulnetzwerke im DAAD ist verantwortlich für das nationale Begleitprogramm zu den Europäischen Hochschulen (siehe oben).