Ihr monatliches Update der DAAD Außenstelle Brüssel zu hochschul- und forschungspolitischen Entwicklungen auf EU-Ebene.

Erasmus 2021-2027: Forderung nach Verdreifachung des zukünftigen Erasmus-Budgets

Ende Oktober hat der Berichterstatter des Europäischen Parlaments, der slowenische Abgeordnete Milan Zver, seinen Berichtsentwurf zum zukünftigen Erasmus Programm vorgelegt. Seine wichtigste Forderung ist eine über die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Verdoppelung der Mittel hinausgehende Verdreifachung des Erasmus-Budgets, um neben den neuen Maßnahmen auch gewährleisten zu können, dass aktuell bereits überzeichnete Förderlinien in Zukunft ausreichend finanziert werden. Des Weiteren will der Berichterstatter das Programmziel der Inklusion, als auch des europäischen Mehrwertes zukünftig stärken und hat hierzu im Programmvorschlag entsprechend neue Kapitel aufgesetzt. Eine zentrale Empfehlung der Nationalen Agenturen wurden ebenfalls aufgegriffen: der Bericht fordert ein auf die sieben Jahre gleichmäßig verteiltes Budget mit einem Anstieg von 2020 auf 2021, sowie die Nennung von Prozenten für die Budgetverteilung auf die unterschiedlichen Bildungsbereiche. Weitere Forderungen des Berichts umfassen unter anderem:

  • Den Programmnamen Erasmus+ beizubehalten, anstatt ihn in Erasmus zu ändern;
  • Die Stärkung des Exzellenzprinzips für die Europäische Hochschulen;
  • Die Betonung der automatischen gegenseitigen Anerkennung von Qualifikationen, Abschlüssen und Lernzeiten im Ausland als strategisches Ziel des Programms;
  • Die Einführung eines Europäischen Studierendenausweises für alle Erasmus+ Studierende bis 2021 und alle EU-Studierende bis 2025;
  • Die Präzision der Definition von "recent graduates" in “Personen, die während der letzten 12 Monate einen Abschluss gemacht haben”;
  • Das Arbeitsprogramm soll durch "delegated", anstatt "implementing acts" aufgesetzt werden - hieraus wird geschlussfolgert, dass der Programmausschuss nicht mehr notwendig sei.

Bzgl. des Inhalts des Programms hat das Europäische Parlament mit diesem Bericht lediglich neue Akzente gesetzt, ohne Programmziele und Förderlinien grundlegend zu ändern. Es kristallisiert sich jedoch heraus, dass die Rolle des Parlaments in der Gestaltung des Programms eine der zentralen-, jedoch umstrittenen Forderungen werden könnte. Der Vorschlag der Europäischen Kommission für die Erasmus-Verordnung ist sehr allgemein, sie gibt wenig bis gar keine Angaben wie Programmziele in die Praxis umgesetzt werden. Dieser Mangel an Detail ist vor dem Hintergrund notwendiger Flexibilität für einen Zeithorizont von sieben Jahren durchaus nachvollziehbar. Der Berichtsentwurf fordert jedoch auf dieser Basis, dass das jährliche Arbeitsprogramm, das – (so Milan Zver) auf Grund fehlender Details in der Programmverordnung eine politische Prioritätensetzung vornehmen muss - durch "delegated", anstatt "implementing acts" verabschiedet werde. Erstere würden dem Europäischen Parlament ein Mitspracherecht geben. Sie sind im derzeitigen Erasmus+ Programm nicht vorgesehen.

Der Bericht des slowenischen Abgeordneten wird noch bis Mitte November im Ausschuss für Bildung und Kultur debattiert (Antragsschluss für Änderungsanträge 13. November); er soll am 22. Januar 2019 im Ausschuss und sobald möglich im Parlaments-Plenum verabschiedet werden.

Der Veröffentlichung des Berichts vorausgegangen waren im Monat September und Oktober eine Anhörung von Stakeholdern durch den Berichterstatter, sowie durch die Fraktion der Europäischen Volkspartei.

Zum Berichtsentwurf und Zeitplan

Erasmus+: Aufruf und Arbeitsprogramm 2019

Die Europäische Kommission hat am 11. Oktober das Erasmus+ Arbeitsprogramm für 2019 veröffentlicht. Voraussichtlich werden 3 Mrd. Euro im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Dies sind 300 Mio. Euro oder rund 10% mehr als im vorherigen Jahr.

Aufbauend auf dem Arbeitsprogramm, wurde am 24. Oktober auch die Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen veröffentlicht. Das vorgesehene Gesamtbudget hierfür beträgt rund 2.733,4 Mio. Euro; 2.503,4 Mio. Euro für die Bildungszusammenarbeit.

Wie bereits im Vorjahr enthält der Aufruf einen Haftungsausschluss für britische Bewerber, der angibt, dass diese im Falle eines Austritts des Vereinigten Königsreichs aus der Union ohne Abkommen, keine Förderung über das Programm mehr beziehen können und ggbfs. auslaufenden Projekten aussteigen müssen.

Die bisherigen Förderlinien im Hochschulbereich bleiben aus den Vorjahren bestehen: Die Förderung von Mobilität und Partnerschaftsprojekten; die Unterstützung gemeinsamer Studiengänge, politischer Reformen, sowie der Lehre und Forschung im Zusammenhang mit Europastudien. Erstmals ist in den Aufruf das Pilotprojekt zu den Europäischen Hochschulen eingebunden.

Pilotausschreibung für Europäische Hochschulen

Unter der Leitaktion 2 (Wissensallianzen) werden 30 Mio. Euro für den Aufbau von bis zu sechs europäischen Hochschulallianzen für 3 Jahre bereitgestellt. Wesentliche Bedingung für die Bewerbung ist:

  • ein Minimum von drei Hochschuleinrichtungen (im Besitz einer gültigen Erasmus-Hochschulcharta, siehe ECHE)
  • aus mindestens drei EU-Mitgliedstaaten oder weiteren Erasmus+-Programmländern.
  • Weitere öffentlich/ private Organisationen, die in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation oder in der Arbeitswelt tätig sind, können in Form einer assoziierten Partnerschaft (ohne Erhalt finanzieller Mittel aus dem Programm)

Die gleichberechtige Einbindung von Erasmus+ Programmländern mit EU Mitgliedstaaten wurde noch nach der Erasmus+ Ausschusssitzung im Juli im schriftlichen Umlaufverfahren eingebracht und gebilligt. Sie ist unter anderem auf das Lobbying der Programmländer (EFTA-Staaten) und rechtliche Bedenken zu ihrem Ausschluss zurückzuführen.

Die Auswahlkriterien im Bewerbungsverfahren sind (für Details s. Programmleitfaden):

  • Relevanz des Vorschlags (max. 25 Punkte);
  • Geographische Ausgewogenheit (max. 15 Punkte);
  • Qualität des Vorschlags und der Durchführung (max. 20 Punkte);
  • Qualität der Kooperationsvereinbarung (max. 20 Punkte);
  • Nachhaltigkeit und Verbreitung (max. 20 Punkte).

Die Allianzen werden mit 80% der förderfähigen Kosten durch EU-Mittel bezuschusst; sie müssen 20% an Kofinanzierung einbringen. Für Allianzen, die ihre Tätigkeit zwischen dem 1. September und dem 1. Dezember 2019 aufnehmen, müssen die entsprechenden Förderanträge bis zum 28. Februar 2019 bei der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) gestellt werden. Eine zweite Pilotphase soll 2020 folgen, so dass bis 2024 zwanzig Allianzen geschlossen werden können.

Leitaktion 3 – Maßnahmen 2019

Bei dem Sozialgipfel in Göteborg (Link) und mit den Ratsschlussfolgerungen (Link) Ende 2017 wurde nicht nur die Initiative zu Europäischen Hochschulen auf den Weg gebracht, sondern der Bildung allgemein eine Schlüsselrolle für die Entwicklung inklusiver und kohäsiver Gesellschaften zugeschrieben. Dieser politische Rahmen drückt sich unter Leitaktion 3 u.a. in folgenden Maßnahmen aus:

  • Inklusion
    Ausschreibung: „Social inclusion and common values: the contribution in the field of education and training”
  • Soziale Dimension in der Hochschulbildung
    Unterstützung für Sekundäranalysen der nationalen “Eurostudent”-Daten zu den sozio-ökonomischen Bedingungen des Studierendenlebens in Europa (Link)
  • Skills und Qualifikationen
    Vorbereitung für die Durchführung des „European graduate survey“ (Link) in weiteren EU-Mitgliedstaaten sowie Unterstützung für die Entwicklung von nationalen „graduate tracking“-Mechanismen
  • Zukunftsweisende Kooperationsprojekte
    Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen zu innovativen Konzepten in den Bereichen Bildung und Jugend

Es wird zudem angekündigt, dass der Europäische Bildungsgipfel 2019 zum zweiten Mal stattfinden wird. Weitere Veranstaltungen und Aktivitäten zur Informationsvermittlung, Diskussion und Sensibilisierung werden sich 2019 auf die Themen Multilingualismus, Diversität und inklusive Bildung konzentrieren.

Die Fristen für die Einreichung von Anträgen sind in diesem Newsletter unter 4. Aktuelle Ausschreibungen angegeben. Das wichtigste Dokument für potentielle Antragstellende ist der Programmleitfaden. Die Nationale Agentur im DAAD informiert und berät zu allen Aspekten der Antragstellung im Erasmus+-Programm.

Stellungnahme des EP-Bildungsausschusses zum Haushaltsjahr 2017 kritisiert EACEA und Master Darlehensfazilität

Der Ausschuss des Europäischen Parlaments für Kultur und Bildung (CULT) hat den zuständigen Ausschuss für Haushaltskontrolle (CONT) am 15.10. dazu aufgerufen, einige Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zum Entlastungsverfahren des Europäischen Parlaments für das Haushaltsjahr 2017 aufzunehmen. Unter anderem solle der Entschließungsantrag:

  • die Ergebnisse von 30 Jahren Erasmus willkommen heißen und den großen Mehrwert des Programms betonen, das seit 1987 die Mobilität von 9 Mio. Studierenden fördert.
  • sich alarmiert über die geringe Nachfrage und den unzureichenden geografischen Geltungsbereich der Erasmus+ Darlehensfazilität für Studiendarlehen zeigen sowie die Kommission und den Europäischen Investitionsfonds dazu auffordern, eine Umsetzungsstrategie zur Effektivitätsmaximierung der Fazilität ins Leben zu rufen.
  • Bedenken zu Schwächen des internen Kontrollsystems der EACEA zum Ausdruck bringen, die bei einer Prüfung der Erasmus+-Stipendienverwaltung identifiziert worden sind, sowie die EACEA zu notwendigen Korrekturmaßnahmen auffordern, um höchste Qualität der Umsetzung des Bildungsprogrammes durch die EACEA zu gewährleisten.
  • Zur Stellungnahme des CULT-Ausschusses
  • Zur Kommissionsmitteilung „Konsolidierte Jahresrechnung der EU 2017“

Initiativbericht des Europäischen Parlaments zum Schutz der Freiheit der Lehre

Unter der Federführung des Abgeordneten Wajid Khan (Mitglied der S&D-Fraktion) hat der Ausschuss des Europäischen Parlaments für Auswärtige Angelegenheiten (AFET-Ausschuss) am 10. September einen Initiativbericht für eine Empfehlung zum Schutz der Freiheit der Lehre im auswärtigen Handeln der EU vorgelegt.

Der Bericht kritisiert, dass bedrohte Wissenschaftler und Studierende derzeit keinen Zugang zu EU-Mobilitätsprogrammen haben und fordert, Regularien und Bewerbungsvoraussetzungen existierender Programme hierauf zu überprüfen bzw. neue Initiativen im Rahmen von Erasmus+ und Marie-S.-Curie aufzusetzen, um die Aufnahme bedrohte Wissenschaftler und Studierende an Institutionen in der EU zu unterstützen.

Des Weiteren fordert der Bericht, dass der Schutz der akademischen Freiheit und Verstöße gegen diese in das außenpolitische Handeln der EU einbezogen werden, sowie in Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen ein regelmäßiges Monitoring zu Verstößen gegen die akademische Freiheit, sowie Angriffe auf Wissenschaftler und Studierende aufgesetzt wird.

Die Abstimmung zur finalen Annahme im Plenum soll am 28. November stattfinden.

Berichtsentwurf des Europäischen Parlaments zur EU-Entwicklungshilfe für das Bildungswesen äußert sich besorgt zu der Abwanderung von Hochqualifizierten

Der Entwicklungsausschuss des Europäischen Parlaments hat aus eigener Initiative einen Berichtsentwurf über die EU-Entwicklungshilfe für das Bildungswesen veröffentlicht. Vor dem Hintergrund, dass der Anteil der Hilfe für das Bildungswesen seitens der EU und seiner Mitgliedstaaten von 11 auf 7,6% zurückgegangen sei, fordert der Bericht, dass Bildung wieder in den Mittelpunkt der EU-Entwicklungspolitik gerückt wird und bis 2024 10% der Entwicklungshilfe für Bildung bereitgestellt werden (15% bis 2030).

Der Ausschuss fordert die Kommission auf, ihre Strategie zu Bildung im Kontext der Armutsbekämpfung (von 2002 und 2010) zu erneuern und einen Plan zu Erreichung des Entwicklungsziels zu Bildung (SDG 4) aufzusetzen.

Der Ausschuss äußert sich in diesem Bericht besorgt über die Abwanderung hochqualifizierter Kräfte und kritisiert, dass einige Mitgliedstaaten ihre Entwicklungspolitische Bildungsunterstützung bis zur Hälfte zur Deckung der Bildungsausgaben in ihren eigenen Ländern nutzen. Es wird gefordert, diesen Anteil zu verringern und Maßnahmen aufzusetzen, die zirkuläre Migration fördern (multiple entry visas), bzw. Anreize für die Rückkehr und den Verbleib Studierender in der Wirtschaft des Heimatlandes schaffen.

Der Bericht unterstützt die Notwendigkeit von qualitativer Lehramtsausbildung („teacher training“) und fordert mehr Austauschprogramme zwischen Lehrern in Entwicklungsländern und der EU, unter anderem über Erasmus+.

Der Schwerpunkt dieses Berichts liegt auf der Grundbildung, so wird gefordert, dass mindestens die Hälfte der Unterstützung des Bildungswesens durch die EU und ihrer Mitgliedstaaten in die Grundbildung fließen soll.

Am 12. November 2018 findet zu diesem Bericht die erste Lesung im Plenum des Europäischen Parlaments statt.

Asien-Europa-Gipfel: EU investiert in Verbindungen nach Asien

Am 18. und 19. Oktober berieten die Staats- und Regierungschefs aus 51 europäischen und asiatischen Ländern beim 12. ASEM-Gipfel in Brüssel über die Weiterentwicklung ihrer Beziehungen, u.a. auch in den Bereichen Bildung und Forschung.

Als ein Ergebnis des Gipfeltreffens hat die Europäische Kommission das ASEM-Portal für nachhaltige Konnektivität vorgestellt: ein neues Online-Tool, in dem umfangreiche Daten über die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen zwischen den 51 Ländern Europas und Asiens abgerufen werden können. EU-Kommissar Tibor Navracsics (zuständig für die Gemeinsame Forschungsstelle, die das Tool entwickelt hat) erklärte: "Das Portal kann eine entscheidende Rolle dabei spielen, Entscheidungsträgern, Unternehmen, Investoren und Forschern zu helfen, Lücken in der Zusammenarbeit zu erkennen und wichtiger, Ideen zu entwickeln diese zu beheben."

Einer ergänzenden Studie zufolge sind die Verbindungen zwischen den ASEM-Ländern zwar enger als die zur übrigen Welt, ihr Potenzial ist jedoch noch lange nicht voll ausgeschöpft. Die Studie deutet darauf hin, dass besser vernetzte Länder geringere Armut, weniger gesellschaftliche Ungleichheiten und u.a. mehr Hochschulstudierende zur Folge hätten. Außerdem seien engere diplomatische Kontakte nicht nur für den bilateralen Handel förderlich, sondern können auch zu einer höheren Mobilität von Studierenden führen. Ebenso fördere die Visafreiheit die Forschungszusammenarbeit.

Im Vorfeld zu dem Gipfeltreffen hat der Forschungsservice des Europäischen Parlaments (EPRS) auf seinem Blog „What Think Tanks Are Thinking“ eine Übersicht an Publikation zu den Beziehungen EU-Asien zusammengestellt.

Horizont Europa: Update aus dem Europäischen Parlament – Europe First?

Bei einer Expertenanhörung zur Ausgestaltung des künftigen Forschungsrahmenprogramms Horizont Europa am 8. und 9. Oktober 2018 im Europäischen Parlament soll der Berichterstatter für die Programmverordnung, der Abgeordnete Dan Nica, eine Position des „Europe first“ vertreten haben. Das Programm müsse in erster Linie Europa nutzen, Forschungsergebnisse sollten innerhalb der EU verwertet werden und Anträge, die dieses vorsehen, höher bewertet werden. EU-Einrichtungen sollten spiegelbildlich Zugang zu Forschungsprogrammen der assoziierten Drittländer erhalten und Wissenschaftler aus Drittländern sollen nach Ablauf ihres Stipendiums für denselben Zeitraum in der EU weiterarbeiten. Außerdem wird in derzeit kursierenden Änderungsvorschlägen von Abgeordneten des Europäischen Parlaments angeblich verlangt, dass zu assoziierende Drittländer (im Programmvorschlag unter Kategorie d) von den Programmteilen ausgeschlossen werden, die einem einzigen Begünstigten („monobeneficiary“) zukommen. Davon wäre auch der Europäische Forschungsrat (ERC) betroffen.

Welche Länder damit gemeint sind, wird derzeit diskutiert. Nica soll insbesondere China im Visier gehabt haben, hingegen geäußert haben, dass Norwegen, die Schweiz und das post-Brexit Vereinigte Königreich (VK) in gleicher Weise wie die EU-Mitgliedstaaten behandelt werden sollen. Diese Vorzugsbehandlung ist in der Programmverordnung der Kommission laut Artikel 12 (Assoziierung) jedoch bislang nur den EFTA-Ländern vorbehalten, die zugleich Mitglied im EWR sind (Ziffer 12 a). Das würde die Schweiz ausschließen, die sich derzeit in derselben Kategorie wie das post-Brexit Vereinigte Königreich befindet, nämlich von Drittländern, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen (Ziffer 12 d). Für diese Gruppe von Ländern sollen die oben genannten schärferen Bestimmungen gelten. Sollten die Schweiz und das post-Brexit Vereinigte Königreich mit den EU-Mitgliedstaaten gleichgestellt werden, müssten diese Länder in Kategorie a) statt in d) wechseln. Was das Vereinigte Königreich betrifft, so wird viel vom weiteren Verlauf der Brexit-Verhandlungen abhängen. Eine Gruppe namhafter europäischer Hochschulvertreter hat sich bereits nachdrücklich gegen den „Europe first“-Ansatz ausgesprochen.

Da das Parlament gerade dabei ist, seine Position zu finalisieren, sind noch viele Änderungen möglich. Der Forschungsausschuss (Industrie, Forschung und Energie), wird am 21. November über Tausende von Änderungsanträgen abstimmen, die sich aus der internen Befassung und aus der Abstimmung mit anderen beteiligten Ausschüssen ergeben. Noch im November wird dann auch das Votum des EP-Plenums erwartet.

Horizont Europa: Kommission legt Forschungsministern erste Vorschläge für Missionen vor

Forschungskommissar Moedas hat den EU-Forschungsministern Mitte Oktober einen ersten Entwurf für Themen für die vorgesehenen Missionen präsentiert. Es handelt sich um ein non-paper, das nicht veröffentlicht wurde.

Dem Vernehmen nach wurden fünf Missionen vorgeschlagen:

  • Entwicklung des ersten universellen Quantencomputers
  • Wirkungsvolle Bekämpfung von Krebserkrankungen bei Kindern
  • Plastikfreie Flüsse und Meere,
  • Schaffung erster klimaneutraler Städte mit sauberer Luft
  • Wiederherstellung gesunder Böden

Außerdem machte die Kommission Vorschläge für 10 Industriepartnerschaften. Die Kommission veranschlagt pro Mission 1-2 Mrd. Euro und einen Budgetanteil von rund 10 Prozent in den ersten Programmjahren und für die Industriepartnerschaften 30-40 Prozent.

Die österreichische Ratspräsidentschaft strebt eine Positionierung der Minister zu dieser Liste beim nächsten Forschungsrat am 30. November an.

Publikationen 

Education and Training Monitor 2018

Am 16. Oktober 2018 wurde vom Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Tibor Navracsics, der „Education and Training Monitor 2018“ vorgestellt und veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um einen Jahresbericht über allgemeine und berufliche Bildung 2018 der EU-Kommission. Neben einem Ländervergleich findet sich auch zu jedem der Mitgliedsstaaten ein Länderbericht. Aus jenem zu Deutschland geht hervor, dass die Zahl der Personen, die im Alter von 30-34 einen Hochschulabschluss besitzen, gestiegen ist: von 31,4% im Jahr 2014 sind es drei Jahre später 34%, was jedoch weiterhin unter dem EU-Durchschnitt von 39,9% liegt. Auch bei der Investition in Bildung im Jahr 2016 liegt Deutschland mit 4,2% des BIP unterhalb des EU-Durchschnitts von 4,7%.

Einen Auslandsaufenthalt im Rahmen von Erasmus haben im Jahr 2016 12,8% der deutschen Studierenden absolviert. Hierfür waren die beliebtesten Zielländer Frankreich, Großbritannien und Spanien. Deutschland ist und bleibt für ausländische Studierende attraktiv und belegt damit nach Großbritannien und Frankreich Platz drei der Länder, die ausländische Studierende empfangen. Platz eins aller Länder der EU wird Deutschland im Bereich der Mobilität von Studierenden in andere Länder zugesprochen. Lediglich 27% der in Deutschland lebenden Studierenden haben Eltern ohne einen Hochschulabschluss, was nach Dänemark der vorletzte Platz im EU-Vergleich ist. Als Grund hierfür werden unter Berufung auf Studien zu diesem Thema mitunter selektive Prozesse in früheren Phasen von Bildungsbiographien genannt.

Eurydice: Die Struktur der Europäischen Bildungssysteme 2018/19

Der Eurydice-Bericht “The Structure of the European Education Systems 2018/19: Schematic Diagrams” informiert zu den Strukturen der allgemeinen Bildung in Europäischen Ländern von der Vorschul- bis zur Hochschulbildung für das Schul- und akademische Jahr 2018/19. Der Bericht umfasst nationale, schematische Darstellungen, einen Leitfaden sowie eine Übersichtskarte, die die wesentlichen Organisationsmodelle der Pflichtschulbildung aufzeigt. Die Informationen sind für 43 europäische Bildungssysteme in 38 Ländern verfügbar, die an dem Erasmus+-Programm teilnehmen.

Europäische Kommission präsentiert Bilanzpapier zu Horizont 2020

Die Europäische Kommission legt in einem kompakten Überblick (Monitoring Flash) Zahlen und Entwicklungen zur ersten Hälfte der Laufzeit von Horizont 2020 vor und vergleicht diese mit dem Vorgängerprogramm, dem 7. Forschungsrahmenprogramm (FP 7). Anschließend folgt ein Ausblick auf die neuen Schwerpunkte und Leitideen des Programmvorschlags für das Nachfolgeprogramm "Horizont Europa", die auf diesen Erfahrungen aufbauen.

Seit dem Programmstart im Jahr 2014 wurden mehr als 19.000 Projekte mit über 88.000 Projektpartnern gefördert. Dafür wurden rund 33 Milliarden Euro aufgewendet. Derzeit sind über 27.000 Einrichtungen in Horizont 2020 aktiv.

Die Beteiligung hat in allen EU-Mitgliedstaaten zugenommen, wobei die Nachfrage mit 530.000 Förderanträgen im Jahresdurchschnitt mehr als doppelt so hoch liegt wie in FP7. Untersucht wird u.a. auch der Zusammenhang zwischen nationaler und EU-Förderung, die internationale Kooperation sowie die Beteiligungsrate der EU 13-Länder. Dort stellt die Kommission fest, dass strukturelle Probleme bestehen bleiben, obwohl sowohl die Zahl der Anträge als auch die Zahl der bewilligten Projekte leicht gestiegen ist. Vorschläge, wie weitere Verbesserungen für diese Mitgliedstaaten erreicht werden können, macht die Kommission in einer anderen Studie (siehe unten stehender Artikel).

Europäische Kommission untersucht EU 13-Beteiligung an Horizont 2020

Die Studie analysiert die Beteiligungsmuster in Horizont 2020 sowie die Gründe für die niedrige Beteiligung von ausgewählten Mitgliedstaaten (und assoziierten Ländern). Schlüsselbefunde sind der enge Zusammenhang zwischen Unterfinanzierung nationaler Forschungs- und Innovationsförderung mit schlechtem Abschneiden beim Rahmenprogramm sowie Barrieren beim Zugang zu existierenden Netzwerken und Verbünden von forschungsstarken Ländern.

Die Autoren sprechen Empfehlungen für eine Verbesserung der Mitwirkung der EU-13 aus, darunter:

  • Enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Ländern, um mehr Investitionen in F&I zu erreichen und Reformprozesse zu unterstützen und zu begleiten
  • Gute Beispiele stärker sichtbar machen und Netzwerkbildung mit anderen Akteuren und Plattformen ermöglichen
  • „Widening“ muss ein Querschnittthema für alle Aktionslinien des Rahmenprogramms werden
  • Anträge, die Infrastrukturen und Material aus den EU 13 einbeziehen, sollen Pluspunkte bei der Bewertung erhalten
  • Vereinfachung der Bewerbungsprozeduren durch erhebliche Reduzierung der Länge der Anträge (auf 20 Seiten, die sich auf wesentliche Punkte konzentrieren)
  • Zur Studie der Europäischen Kommission

EUA Trendsreport 2018: Lernen und Lehre im Europäischen Hochschulraum

Der Bericht des Europäischen Universitätsverbands EUA “Trends 2018” untersucht die Entwicklungen im Lernen und Lehren an Europäischen Hochschulen im Kontext sich verändernder Herausforderungen, technischen und sozialen Wandels sowie europäischer und nationalen Politiken und Reformen. Dieses Hauptgutachten der EUA umfasst Daten aus über 300 Hochschuleinrichtungen in 48 Europäischen Ländern und folgt der zentralen Erkenntnis, dass die Kooperation zwischen Hochschuleinrichtungen einen großen Mehrwert für die Entwicklung auf dem Gebiet Lernen und Lehre habe.

Kurz notiert 

+++ Am 24./25. Februar 2019 richtet Ägypten das erste Gipfeltreffen zwischen den 28 EU-Mitgliedstaaten und der Liga der Arabischen Staaten aus. (Link) +++

+++ Die Europäische Kommission hat zwei neue Konsultationen geöffnet:

  1. im Politikbereich „Beschäftigung und Soziales“ zu Qualifikationen für außerhalb der formalen allgemeinen und beruflichen Bildung erworbene Kompetenzen, bis zum 13. 11.2018 (Link);
  2. in den Politikbereichen „Bildung“ und „Forschung“ zur Änderung der Verordnung zum Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT), bis zum 05.12.2018 (Link). +++

+++ Im Rahmen des Spezial Eurobarometers 476 wurden im Sommer 2018 EU-BürgerInnen zur Entwicklungszusammenarbeit befragt. Bei den Herausforderungen, die für die Zukunft von Entwicklungsländern am dringlichsten erscheinen, liegt Bildung hinter Frieden und Sicherheit und vor Gesundheit auf Platz zwei. (Link) +++

+++ Der Europäische Investment Fonds (EIF) und die Privredna banka Zagreb haben die erste Erasmus+ Darlehensgarantievereinbarung in Kroatien i.H.v. 600.000€ zur Unterstützung von kroatischen Masterstudierende bei ihrem Auslandsaufenthalt in einem der 32 anderen Erasmus-Programmländer unterzeichnet. (Link) +++

+++ Die EUA fragt in einem Briefing danach, welche Konsequenzen die Rahmenvereinbarung des EU-Süd Korea-Freihandelsabkommens für die Hochschulbildung haben. (Link) +++

+++ Die EUA, die die CEU in Budapest zu ihren Mitgliedern zählt, hat in einem neuen Statement erneut den Abbau der Hochschulautonomie in Ungarn scharf kritisiert. Am 25. Oktober hatte die Central European University (CEU) in Budapest verkündet, dass Studierende für die US-akkreditierte Master- und Doktorandenprogramme ab dem Studienjahr 2019/20 lediglich in einen neuen Campus in Wien aufgenommen werden können. (Link) +++

+++ Im kürzlich veröffentlichten Arbeitsprogramm 2019 der Europäischen Kommission wird im Rahmen der Priorität A new boost for jobs, growth and investment unter der Kategorie des mehrjährigen Finanzrahmens das Erasmus-Programm als Priorität anstehender Vorschläge genannt. (Link) +++

+++ Die Lifelong Learning Platform (LLLP) veröffentlicht eine neue Stellungnahme zum Nachfolgeprogramm von Erasmus+: „Lifelong learning and social inclusion must lay the foundation for the programme’s future.“ (Link) +++

+++ European Students‘ Union (ESU) zeigt sich besorgt über die Pilotausschreibung zu „Europäischen Hochschulen“ unter dem aktuellen Erasmus+-Programm. (Link) +++

+++ CESAER hat in einem Weißbuch die Bedeutung von Technischen Universitäten für die Entwicklung wissensbasierter Industrien der Zukunft unterstrichen und das Leitbild einer „Mission 3.1“ formuliert. (Link) +++

+++ Die EUA hat den “University Efficiency Hub” veröffentlicht: ein Web-Portal, das es Hochschulvertretern und politischen Entscheidungsträgern europaweit erlaubt, Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Das Portal bietet außerdem einen online-Test für Hochschulen, um die Effizienz ihrer Arbeitsweisen zu evaluieren. (Link) +++

+++ Die European Association for International Education (EAIE) hat die zweite Auflage des Barometers Internationalisation in Europe veröffentlicht. Es geht um die Form und Funktion der Internationalisierung der Hochschulbildung im Europäischen Bildungsraum. Grundlage der Publikation sind Umfragen mit „Praktikern“, die an Hochschulen im Bereich Internationalisierung arbeiten. (Link) +++