Junger Mann mit Mundschutz

Die Corona-Krise dominiert in diesen Tagen die EU-Politik. Die Schließung von Bildungseinrichtungen hat immense Auswirkungen auf die Bildungssysteme in Europa. Das Mobilitätsprogramm Erasmus+ ist besonders von der Krise betroffen. Im Forschungsbereich unterstützt die EU nun prioritär die Forschungsanstrengungen zu dem neuartigen Virus.

Corona – Auswirkungen auf Bildung und Erasmus+

Digitale Bildung

  • Die Bildungsminister der EU haben sich am 14. April zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Bildungssysteme ausgetauscht und insbesondere zu den Herausforderungen im Zuge der Umstellung auf Fernuntericht beraten (Link). Am 18. Mai verständigten sie sich darauf, bei einer Videokonferenz im Juni über die Errungenschaften des Digitalen Lernens zu beraten.
  • Die EU-Kommission hat auf ihrer Website Online-Lernressourcen bereitgestellt.
  • Die European Students' Union (ESU) organisiert eine Webinar-Serie über E-Learning-Möglichkeiten und akademische Anerkennung.

Erasmus+

Die Schließung von Hochschuleinrichtungen und die Einschränkung der Mobilität von Bürgern in vielen EU-Ländern behindern die Durchführung der laufenden und geplanten Erasmus+ Aktivitäten. Die EU-Kommission hat den Nationalen Agenturen und Projektleitern größtmögliche Flexibilität innerhalb der Grenzen des geltenden Rechtsrahmens eingeräumt und klargestellt, dass die Sicherheit und der Schutz aller Programmteilnehmenden Priorität habe. Sie hat ein Factsheet und FAQs zu den Maßnahmen im Rahmen des Erasmus+ Programms veröffentlicht. Unter anderem können folgende Regelungen zum Einsatz kommen:

  • Projektleiter können sich bei der Durchführung der Programme auf die "force majeure"-Klausel berufen. Dies beinhaltet beispielsweise die Möglichkeit, Mobilitäten vorzeitig zu beenden, zu verschieben und zusätzliche Kosten bis zur Höhe der ursprünglichen Zuwendung anzuerkennen.
  • Geplante Aktivitäten können um bis zu 12 Monate verschoben werden. Dies gilt laut Kommissarin für Forschung, Innovation, Bildung und Jugend auch für die im Rahmen der Europäischen Hochschulen durchgeführten Mobilitätsmaßnahmen.
  • Hochschulen werden aufgefordert flexible und pragmatische Lösungen anzubieten damit Austauschstudierende ihre Lernergebnisse, z.B. durch E-Learning, im Gast- sowie im Heimatland erreichen und sich ECTS-Punkte anerkennen lassen können.
  • Die Antragsfristen für alle Aufrufe in Erasmus+ wurden verlängert (Link).

Der Bildungsausschuss des Europäischen Parlaments hat in einer Pressemitteilung die Kommission aufgefordert, Erasmus+ Studierende bestmöglich zu unterstützen, zusätzliche Kosten zu erstatten und Regeln so flexibel anzuwenden, dass sie kein akademische Jahr verlieren müssen.
Zum Chat mit MEP Verheyen
Auch die EU-Bildungsminister fordern "flexible Ansätze und Zusammenarbeit" im Hinblick auf die Autonomie der Hochschuleinrichtungen, da die Corona-Krise auch Auswirkungen auf die Fortsetzung der grenzüberschreitenden Mobilität zu Lernzwecken habe (Link).

Aus studentischer Sicht

  • Die European Students' Union (ESU) hat am 6. April ein Positionspapier zu COVID-19 "A multidimensional crisis that affects us all" veröffentlicht.
  • Das Erasmus Student Network (ESN) hat am 9. April einen Forschungsbericht über die Auswirkungen von COVID-19 auf den Studierendenaustausch in Europa veröffentlicht.

Die Nationale Agentur Erasmus+ im DAAD veröffentlicht regelmäßig aktuelle Hinweise und Handlungsanleitungen im Umgang mit den Erasmus+ Mobilitäten auf ihrer Website:

Corona – Auswirkungen auf Forschung und Horizont 2020

"ERAvsCORONA"-Aktionsplan

Die EU-Forschungsminister haben Anfang April einen Aktionsplan ("ERAvsCORONA" Action Plan) beschlossen - ein erstes Bündel von gemeinsam koordinierten 10 Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie, die sehr rasch umgesetzt werden können. Dazu gehören insbesondere die Finanzierung europäischer Forschungs- und Innovationsprojekte, die gemeinsame Nutzung wissenschaftlicher Daten und Infrastrukturen sowie die Einrichtung einer hochrangigen Task Force. Diese gemeinsame Vorhabenliste soll im Zusammenspiel zwischen EU-Kommission und Mitgliedstaaten laufend aktualisiert und ergänzt werden.

Folgende weitere Initiativen sind Teil des "ERAvsCorona"-Aktionsplans:

  • EU-Datenbank zu COVID-19-Forschung: Die EU-Kommission hat gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und anderen Partnern eine europäische Plattform für Daten zur Coronavirus-Forschung ins Leben gerufen. So sollen die verfügbaren Forschungsdaten schnell gesammelt und gemeinsam nutzbar gemacht werden – „über Fachdisziplinen, Gesundheitssysteme und Grenzen hinweg“, so Kommissionspräsidentin von der Leyen.
  • Paneuropäischer Hackathon "EUvsVirus": Der Hackathon fand vom 24.-26. April statt und brachte Innovatoren, Partner und Käufer in ganz Europa zusammen, um innovative Lösungen im Kampf gegen das Coronavirus zu entwickeln. Knapp 21.000 Teilnehmer aus 41 Ländern, darunter 389 aus Deutschland, reichten 2.160 Vorschläge ein, darunter 270 im Bereich Telearbeit und Bildung. 117 Ideen wurden ausgewählt. Insgesamt werden über 100.000 EUR an die Gewinner verteilt.
  • Matchathon "EUvsVirus": Alle Gewinner werden zum Matchathon von 22.-25. Mai auf der neuen EIC COVID-Plattform eingeladen. Das Online-Matchmaking soll die späteren Anwender der entwickelten Lösungen zusammenbringen und Zugang zu Investoren, Unternehmen, Stiftungen und anderen Finanzierungsmöglichkeiten aus der EU bieten.

EU-Forschungsprojekte zu Corona

Im Rahmen des Notaufrufs zur Corona-Krise hat die EU-Kommission insgesamt 18 Forschungs- und Innovationsprojekte zur Förderung ausgewählt. 140 Forschungsteams aus ganz Europa erhalten ein Gesamtbudget von 48,5 Mio. EUR zur Verbesserung der Epidemiologie und öffentlichen Gesundheit, diagnostischen Tests, Therapien und Impfstoffen. Deutsche Forschungsteams sind an 12 Projekten beteiligt.

European Research Area Corona Platform

Für EU-Förderprojekte relevant ist die neue "European Research Area (ERA) corona platform", auf der alle wichtigen Informationen zur Corona-Pandemie zusammengefasst werden, u.a. verlängerte Fristen, Aktivitäten von Mitgliedstaaten bzgl. des COVID-19-Ausbruchs und FAQs zu Horizont 2020.

EU-Geberkonferenz zu COVID-19

Bei der am 4. Mai gestarteten Online-Geberkonferenz der EU-Kommission im Rahmen des Gemeinsamen europäischen Fahrplans für die Aufhebung der Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 wurden bis heute Zusagen in Höhe von 9,8 Mrd. EUR aus der ganzen Welt verzeichnet (davon 1,4 Mrd. EUR von der Europäischen Kommission und 525 Mio. EUR von Deutschland).
Unter dem Kampagnen-Name "Global Goal: Unite for our Future",  in Kooperation mit "Global Citizen" durchgeführt, endet der Spendengipfel am 27. Juni auf Einladung von Kommissionspräsidentin von der Leyen (Link).

Zukünftiges EU-Budget 2021-2017

Zudem fordert EU-Kommissarin Mariya Gabriel die EU-Mitgliedsstaaten auf, sich auf den mehrjährigen Finanzrahmen zu einigen, um kritische Forschung nicht zu verzögern. Sie betont, dass die rasche Mobilisierung von Mitteln für die Coronavirus-Forschung und -Innovation einmal mehr bewiesen habe, dass Horizont 2020 ein flexibles Programm sei, das sich an die unmittelbaren Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger anpassen und gleichzeitig langfristige Probleme angehen könne.

Der DAAD verfolgt kontinuierlich die Entwicklungen zum Coronavirus und passt seine Aktivitäten flexibel an veränderte Situtationen an. Dabei sind wir in engem Kontakt mit unseren Geförderten und Hochschulpartnern. Aktuelle Auswirkungen auf die Handlungsfelder des DAAD können Sie hier verfolgen.