Europäische Kommission schlägt eigenständiges FP10 mit einem Volumen von 175 Mrd. € vor

Ursula von der Leyen © European Union
Am 16. Juli 2025 stellte die Europäische Kommission ihren Vorschlag für das neue Rahmenprogramm für Forschung und Innovation für den Zeitraum 2028–2034 vor. Wie bereits im Mai 2025 von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, soll das 10. Forschungsrahmenprogramm (FP10) ein eigenständiges Förderprogramm bleiben, jedoch insbesondere in Säule II eng mit dem neuen Europäischen Wettbewerbsfonds (European Competitiveness Fund, ECF) verzahnt werden.

Mittelausstattung

Mit einer Finanzausstattung für die Durchführung des Rahmenprogramms in Höhe von 175 Mrd. € (in jeweiligen Preisen) sieht der Kommissionsplan eine deutliche Budgeterhöhung für 2028-2034 vor. Das Programm für das aktuellen Programmlaufzeit 2021-2027 ist mit 95,5 Mrd. Euro gestartet und wurde inzwischen auf 93,5 Mrd. Euro reduziert; 5,4 Mrd. Euro davon sind ein Top-up aus dem Corona-Wiederaufbaufonds NextGenerationEU.

Programmstruktur

Die Kommission plant, die bisherige Programmarchitektur in FP10 durch eine neue, auf vier Säulen basierende Struktur zu ersetzen:

Horizont Europa 2021-2027 Horizont Europa 2028-2034
Drei Programmsäulen:

1.      Wissenschaftsexzellenz

2.      Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas

3.    Innovatives Europa

 

Gesonderter Förderbereich: “Ausweitung der Beteiligung und Stärkung des Europäischen Forschungsraums”

Vier Programmsäulen:

1.      Exzellente Forschung

2.      Wettbewerbsfähigkeit und Gesellschaft

3.    Innovation und

4.    Europäischer Forschungsraum (EFR)

 

Zu den horizontalen Prinzipien des neuen Programms zählen:

  • Multidisziplinarität, sofern thematisch relevant
  • Die Integration der Sozial- und Geisteswissenschaften (SHW) in allen Programmteilen
  • Gezielte SHW-Ausschreibungen
  • Die Stärkung der Verbindung zwischen Forschung, Innovation und evidenzbasierter Politikgestaltung

Horizont-Europa im Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR)

Die enge Verzahnung mit dem ECF spiegelt sich auch in der vorgestellten Struktur des MFR wider, in dem das neue Horizont Europa-Programm – wie auch Erasmus+ – unter Rubrik II (Wettbewerbsfähigkeit) eingeordnet ist und dort explizit genannt wird:

  1. Nationale und regionale Partnerschaftspläne (NRPP)
  2. Europäischer Wettbewerbsfonds und Horizont Europa
  3. Globales Europa, Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie überseeische Länder und Gebiete (einschließlich Grönland)
  4. Europäische öffentliche Verwaltung.

Der MFR-Vorschlag der Kommission sieht zusätzlich zu den vier Rubriken ein Flexibilitätsinstrument sowie eine „Ukraine-Reserve“ vor.

Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA)

Die MSCA bleiben weiterhin in Säule I – Wissenschaftsexzellenz – verankert und fördern auch in der Programmperiode 2028–2034 die Karriereentwicklung, Kompetenzerweiterung sowie die internationale Mobilität von Forschenden aller Karrierestufen weltweit.

Das Ziel, wissenschaftliche Talente nach Europa zu holen und dort langfristig zu halten, wird verstärkt betont – vor allem durch den Schwerpunkt auf den ‚Choose Europe‘-Ansatz. Die MSCA bleiben disziplinübergreifend offen, sollen jedoch bei Bedarf gezielt bestimmte:

  • Thematische Schwerpunkte
  • Forschungseinrichtungen oder Innovationsträger
  • Geografische Regionen

adressieren, um den sich wandelnden Anforderungen und Bedürfnissen der Union in Bezug auf Kompetenzen, Forschungsausbildung, Karriereentwicklung und Wissensaustausch im Hinblick auf die strategische Autonomie der Union gerecht zu werden.

So geht es weiter

Die Angaben zur Mittelausstattung des Horizon-Programms im Kommissionsvorschlag sind derzeit vielfach noch unvollständig im Hinblick auf die konkrete Zuweisung der Mittel zu den einzelnen Programmkomponenten innerhalb der Säulen. Eine detaillierter Plan soll im September veröffentlicht werden.

Das Europäische Parlament und der Rat der EU prüfen den Vorschlag und führen Verhandlungen (Trilog-Verfahren), um eine gemeinsame Position zu finden. Nach erfolgreichem Abschluss der Verhandlungen werden die Rechtsakte formell angenommen. Parallel zu den Programmverhandlungen laufen die Verhandlungen zum EU-Haushalt, um das Budget für Horizont Europa (2028-2034) zu genehmigen.

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