ACA-EAIE-Bericht analysiert nationale Internationalisierungsstrategien im EHEA
28. November 2025
Kapitel 1 des Berichts ordnet die nationalen Strategien in einen historischen Kontext ein, Kapitel 2 beschreibt die länderspezifischen Strategien und politischen Rahmenbedingungen, und Kapitel 3 reflektiert aktuelle Trends sowie künftige Herausforderungen und Chancen für die Internationalisierung auf Basis von Forschung und Interviews mit Expertinnen und Experten.
Aktuelle Entwicklungen
Der Bericht verdeutlicht, dass lediglich 13 der 47 untersuchten Hochschulsysteme 2025 über eine Internationalisierungsstrategie verfügen, die Existenz einer formellen nationalen Strategie an sich aber noch keinen fortschrittlicheren oder effektiveren Ansatz zur Internationalisierung impliziert, da viele Länder auch über andere politische Kanäle, institutionelle Initiativen oder sektorspezifische Zusammenarbeit wichtige Erfolge im Bereich der Internationalisierung erzielen und im Rahmen dieser Bemühungen eine Vielzahl strategischer Aktivitäten durchführen.
Aktuelle Internationalisierungsstrategien gehen über frühere Ansätze hinaus und spiegeln die Weiterentwicklung und Innovation in diesem Bereich wider. Beispielsweise enthalten sie neue Elemente wie virtuelle oder hybride Mobilität und unterscheiden zwischen bilateraler und multilateraler Kooperation, wobei einige Strategien die strategische Relevanz einer dieser beiden oder beider Modalitäten betonen. Die meisten Strategien betrachten die Internationalisierung darüber hinaus als wichtiges Instrument zur Qualitätssteigerung sowie zur nationalen und institutionellen Entwicklung. Die Gewährleistung eines verbesserten Zugangs zu Internationalisierungsaktivitäten gilt als nahezu konsensuales Anliegen; aktuelle Strategien definieren hierzu klare Zielvorgaben, mit denen bestimmte Aktivitäten gezielt inklusiver beziehungsweise als „Internationalisierung für alle“ ausgestaltet werden sollen.
In europäischen Initiativen und Programmen wie dem Bologna-Prozess, dem Erasmus+-Programm und der Initiative Europäische Hochschulallianzen werden wichtige Impulse für die Internationalisierung gesehen. Hindernisse werden hingegen weiterhin in Bereichen wie der Komplexität von Visa-Prozessen und der Anerkennung von Abschlüssen und Studienleistungen aus dem Ausland wahrgenommen. Sowohl lokale und regional ausgerichtete Kooperationen als auch die Rekrutierung von Studierenden weltweit haben an Bedeutung gewonnen. Es zeigt sich, dass neben Deutschland auch in Ländern wie Frankreich, Norwegen, Schweden, den Niederlanden und Finnland nationale Leitlinien für eine verantwortungsvolle Internationalisierung, spezifische Strategien und nationale Strukturen entwickelt wurden, um Hochschulen bei der Gestaltung internationaler Partnerschaften im Rahmen ihrer institutionellen Autonomie zu unterstützen und häufig auch beratend zu begleiten.
Die Faktoren, die nationale Strategien zur Internationalisierung beeinflussen, sind laut Bericht sowohl externer Natur – also international und teilweise global – als auch interner Natur, da sie aus dem jeweiligen nationalen Kontext erwachsen. Die sich daraus ergebenden Chancen und Herausforderungen deuten insgesamt auf ein neues Gleichgewicht hin, das einerseits durch ein fortdauerndes Engagement für die Internationalisierung geprägt ist und andererseits größere Vorsicht und Anpassungsfähigkeit erfordert.
Zukünftige strategische Ausrichtung
Mit Blick in die Zukunft konstatiert der Bericht, dass die nationale strategische Ausrichtung von Internationalisierungsmaßnahmen in einer durch geopolitische Veränderungen geprägten Hochschullandschaft weiterhin als entscheidend angesehen wird, insbesondere in Ländern mit einem politisch oder gesellschaftlich komplexem Umfeld, da sie die Legitimität und Durchsetzungsfähigkeit von Internationalisierungsmaßnahmen stärkt. Es wird vermutet, dass Strategien zur Internationalisierung der Hochschulbildung zukünftig anpassungsfähiger, inklusiver und stärker evidenzbasiert sein werden, um flexibel auf Unsicherheiten und Krisen reagieren zu können.
Ein zentrales Augenmerk liegt darauf, die konkreten Auswirkungen internationaler Bildung auf sämtlichen Ebenen systematisch zu belegen sowie die Auseinandersetzung mit Internationalisierung über den Hochschulsektor hinaus zu erweitern.
Der Bericht spricht sich dafür aus, dass neue Strategiedokumente zunehmend eine umfassende Leitvision entwickeln und die Kernwerte der Internationalisierung betonen, statt sich vornehmlich auf operative Details zu fokussieren. Dadurch soll eine politische Rahmensetzung erfolgen, die dem Sektor langfristige Unterstützung und adäquate Ressourcen sichert.